Von XXL nach S – Neues Outfit

Der Anfang ist gemacht. Das Ziel konsequent im Auge behalten, Ernährung umgestellt, mehr Bewegung eingeplant. Allmählich rückt das Wunschgewicht in greifbare Nähe. Man fühlt sich fitter und steckt voller Energie. Alle Gesundheitswerte im grünen Bereich. Aber der Blick in den Spiegel erzeugt Freude und Entsetzen zugleich. Ein neues Outfit muss her. Die Garderobe muss schleunigst ersetzt werden.

Für viele Männer ist Klamotten kaufen eine lästige, unbeliebte Tortur. Für manche sogar das perfekte Argument gegen erfolgreiche Gewichtsreduzierung. Sie stehen dem Thema Mode passiv und gedankenlos gegenüber. Allerdings eröffnet sich gerade jetzt die Chance dem „einheitlichen Rentnerlook in grau-beige“ zu entsagen und neue modische Akzente in Schnitt und Farbe zu setzen. Was ziehe ich an, ohne altbacken zu wirken? Und wie vermeide ich umgekehrt, zu gewollt jung auszusehen? Gut, wenn man sich beim Einkauf auf weibliche Begleitung verlassen kann. Kurz: Die meisten Kerle brauchen in Sachen Mode klare Ansagen und sind dankbar, wenn freundliches Personal oder besser, die Liebste beratend zur Seite stehen.

Statt Einheitslook aus dem Atelier „Herbstsonne“ darf es jetzt auch mal ein modisches T-Shirt von H&M sein. Passte früher meist nur ein Anzug in gedeckten Farben und Übergröße aus der Abteilung für starke Männer beim Herrenausstatter, präsentiert meine Lieblingsverkäuferin bei New-Yorker jetzt gleich eine ganze Kollektion aktueller Hosen von der Stange.

Ein Gerücht behauptet, dass ausgedehnte Shopping-Touren für die Damenwelt eine gern ausgeübte Freizeitbeschäftigung seien. Die Wahrheit ist noch viel schlimmer. Auch Männer lassen sich nach erfolgreicher Gewichtsreduktion gern vom Shopping-Virus infizieren. Shoppen macht plötzlich Spaß. Der Autor dieser Zeilen hat einfach nicht damit gerechnet, dass es ihm genauso ergehen könnte. Er kann jetzt locker nachempfinden, dass sich Frauen in einen Rausch shoppen können. Wichtig dabei: Weg mit den alten Klamotten, ab in den Container oder zur Sammelstelle. Bloß nicht rückfällig werden. Und wenn doch? Dann gehen wir eben wieder shoppen im Atelier „Herbstsonne“. Allein der Gedanke daran überzeugt zum Weitermachen. Ade schlechte Ernährung, mangelnde Bewegung, Kalorienzählen und Ernährungsmythen.

Irgendwann hatte die Dame des Hauses die Idee mit den Outlet-Stores. Die gibt es meist im Umfeld größerer Städte und in Ballungsgebieten. Das tolle daran, man kann gleichzeitig Geld ausgeben und sparen, behaupten zumindest eingefleischte Outlet-Fans. Aber es gibt auch Nachteile, behaupten andere. Am besten, man testet es selbst einmal.

Adventsreise nach London. Dank Brexit war der Wechselkurs günstig wie nie zuvor. Jetzt oder nie. Ab ins Londoner Outlet Center: Edle Markenschuhe, tolle Pullover, modische Hosen, Mantel und und ein paar Accessoires dazu. Überraschung an der Kasse: Wir hatten den perfekten Zeitraum gewählt. Noch einmal dreißig Prozent zusätzlich gespart in der Black Friday Week. Strahlende Gesichter ringsum. Zweihundert Euro ausgegeben und dabei fünfhundert Euro gegenüber dem offiziellen Verkaufspreis gespart, dann haben wir jetzt also dreihundert Euro mehr in der Reisekasse, oder? Toll – das machen wir bald mal wieder.