„ewig jung“ – Songdrama im Theater

Im Dezember waren wir im Theater für Niedersachsen und besuchten das Song-Drama „ewig jung“ von Erik Gedeon. Danke an Christine und Axel für diesen tollen Veranstaltungstipp beim letzten Treffen. Die Handlung lässt sich knapp zusammenfassen:

Willkommen im Jahr 2070. Die Kulissen im Theater stehen noch, aber der Theaterbetrieb wurde längst eingestellt. Die Räumlichkeiten werden jetzt als Altersresidenz genutzt. Statt Applaus gibt’s Pflegepläne. Allerdings weigern sich die betagten Schauspielerinnen und Schauspieler unter der strengen Aufsicht der „singenden Giftspritze“ Oberschwester Camila bei Kinderliedern und Klatsch-Spielchen vor sich hinzudämmern. Mit Vorträgen über Krankheit und Sterben verdirbt sie den ehemaligen Theaterstars nur die Stimmung – als ob das Leben nach 70 nicht schon genug Drama böte.

Aber die alten Hasen haben noch einen letzten Trumpf im Ärmel: Kaum ist die Schwester mit Monsterspritze und Desinfektionsspray von der Bühne gerauscht, lassen sie die Rampensau wieder raus. „I love Rock’n´Roll“ röhren sie programmatisch los und geben mit dem Krückstock rhythmisch den Takt vor, als wäre es der letzte Auftritt ihres Lebens. Schnell wird klar: Diese Rüstigen haben genug Saft und Trotz zur Revolte, um die Bühne erneut zu erobern – nur eben auf ihre ganz eigene, schräge Art.

Da verwandelt sich das scheintote Häufchen in eine Horde best gelaunter Zombies auf Speed voller Lebensgier. Da wird geflirtet, getanzt, gezaubert und vor allem gesungen. Alles ist erlaubt, solange die Stimmen nicht verstummen. Mit unsterblichen Songs wie „I Love Rock ’n’ Roll“, über Maffays „So bist Du“ bis hin zu „Born to be wild“oder „Sex-Bomb“ und weiteren Hits aus alten Zeiten wird hier musikalisch ordentlich die Post abgezogen, während die Truppe mit Rollator, Krückstock und jeder Menge Lebensfreude eine kleine Revolte gegen die Vergänglichkeit probt. Das Ensemble singt immer wieder beeindruckend, gibt alles und lässt die morschen Knochen bei schmissiger Rollator- und Krückstock-Choreografie krachen.

Musik als Lebenselixier – das funktioniert hier prima! Und wer sagt, dass man im Alter leise vor sich hin dämmern muss? Manchmal braucht es nur ein bisschen Rhythmus, ein bisschen Mut – und schon tanzt der Geist noch einmal auf der Bühne des Lebens.

Unbedingt angucken! Die Aufführung wird noch ein paar Male wiederholt.